Seiltanz – sneack peek

Wer nicht ungarisch kann…
Übersetzung: Monika Veit
(ungarische Ausgabe: Anfang Juni 2015, Móra Verlag)

Wir haben über allen möglichen Blödsinn geredet, er hat sogar gefragt, warum ich weder Socken noch eine Strumpfhose anhab. Mit Stöckelschuhen kann man halt nicht am Flussufer auf einer Jacke herumsitzen, das ist doch klar.

– Weißt du was mir sehr leid tut?
– Was denn?
– Dass die Zeit zu Silvester nicht stehen geblieben ist. Sie hätte stehenbleiben sollen, dort, im Bad.
– Vor oder nach der Szene mit der Zahnbürste? – lachte ich auf.
– Also, eher danach – lachte er zurück und verzog scherzhaft sein Gesicht.
– Es wäre auch schon super gewesen, wenn wir nicht in, sich in zwei komplett verschiedene Richtungen befindenden Städten in die Schule gegangen wären.
– Ja, das wäre super, auch jetzt. Wir könnten es wieder versuchen.
– Du weißt, dass das nicht geht. Erik wird mich nicht loslassen. Ich muss es bis zur Hochschule durchdrucken. Wenn sie mich nicht aufnehmen, also dann bring ich mich um.
– Red’ kein Blödsinn! An scheiß wirst du. Wehe dir, du probierst‘s! Lia, hörst du!
– Ok, ok, es war nur ein Witz.
– Über sowas macht man keine Witze. Und glaub mir Erik wird auch nichts machen, er hat nur eine große Klappe. Er nützt dich einfach aus.

Er hat es ernst gemeint, das weiß ich, für eine Minute hab ich‘s ihm sogar geglaubt, aber irgendwie war die Stimmung dann endgültig den Bach runter. Wir sind nach Hause losgegangen. Zu entschieden klapperten meine Schritte auf der Straße. Vor dem Haus hab ich dann nur mehr zwei Bussis bekommen, und den üblichen kumpelhaften Handschlag.

Am nächsten Tag hat sich herausgestellt, dass Erik mich am ganzen Abend gesucht hatte. Das zu Hause gelassene Handy ist durch seine verpassten Anrufe leer worden. Tja, Pech.

POSTED BY ADMIN ON 14:58, 03.10.

6. Eintrag

Auch dieser Tag ist vergangen. Er war so leer, wie das Vakuum in der Physik.

Ich hab keine Lust zusammenhängende Sätze zu schreiben. Ich weiß nicht, ob ich mich von den paar Wörtern später mal an den heutigen Tag erinnern kann. Habe Buda von Ottlik gelesen. Das perfekte Werk. Erinnerungsmengen. Ottlik wusste genau, was ich jetzt von ihm auch weiß, dass man das hier nur so niederschreiben kann. In Form von Gedankenfetzen. Telegrafisch.

Mein Zweitlieblingssatz von ihm ist, das was sicherlich existiert, das ist das Gefühl. Die Doppelseitigkeit des Lebens lässt sich nicht in Worte fassen. Das Draußen und Drinnen, das Zuhause und die Schule, Erik und Bence. Der Schein und die Wirklichkeit. Sogar hier, wo es bestimmt keiner liest, ist es schwer ehrlich zu schreiben. Die kleinbürgerliche Scheinwelt zieht in einen Menschen so ein, wie der Zigarettengestank in einen Raucher. Man muss Acht geben: meine Tochter, mein Enkelkind, Schüler, Freund darf dies doch nicht machen. Oder das. Es wird kräftig in der Gerüchteküche gerührt  und man wird wie eine blutige Trophäe herumgetragen. Würde ich das machen, was ich zu Bence gesagt hab, und ich hab es überhaupt nicht als Spaß gemeint, würde das einen hübschen, kleinen Skandal aus der Sache machen. Jeder würde herumraten oder wildem Getratsche Flügel verleihen, warum. Und keiner wüsste die Wahrheit. Vor allem aber, würde sich keiner dafür verantwortlich fühlen. Sie würden nicht einmal mit dem Finger auf sich zeigen, würden nur herumraten. „Armes Kind, sie war doch eine ausgezeichnete Schülerin, so gut erzogen und belesen, wer versteht das denn?

Sie hat so viel gelesen, wozu denn, sie hat die verrückte Idee bestimmt aus irgendeinem Buch. So ist die Jugend von heute, ihnen fehlt die Dankbarkeit, aber als wir noch …“

Und natürlich würde nicht unerwähnt bleiben, dass „sie doch einen festen Freund hatte, und dass der Erik, na also was das für ein anständiger Kerl ist…“ Mhm, Erik und anständig, also das lass ich jetzt lieber. Sogar hier.

POSTED BY ADMIN ON 21:13, 04.10.

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