Heinz Janisch-Helga Bansch: Die Brücke

Rezension zu meinem STUBE Studium. Auf Ungarisch bei Könyvmutatványosok.

bruecke4Bilderbücher faszinieren mich, seitdem ich in Österreich lebe, weil in meiner Heimat nennt man Märchenbuch einfach Bilderbuch.

Meine Kinder wachsen mit echten Bilderbüchern auf, ich sehe Tag für Tag, wie sie noch immer Bilderbücher anschauen, sich mit Bildern beschäftigen.

Unsere Wahrnehmung ist sehr komplex, es gibt keine Pause, wir schauen jede Minute und bewerten sofort. „Wenn sich Kinder Bilder anschauen, übernehmen sie sofort Rollen, wie in einem Comic. Und je abstrakter die Darstellung, umso mehr Betrachter können sich mit dem Dargestellten identifizieren.“

Ich mag besonders gern die doppelsinnigen Bücher, und bin ab dem erstem Blick verliebt in die Kunst von Heinz Janisch und Helga Bansch, in dem Buch: Die Brücke.

Das Buch war in der Kollektion der Österreichischen Kinder und Jugendbuchpreis des Jahres 2011 dabei. Es fasziniert mich, die Geschichte so erzählen zu können. Eine alte Geschichte, Fabel, in einer modernen Form.

Die künstlerische, visuelle Form ist das Instrument der Geschichte von unserer Zeit zu entfremden,  Mythen zu schaffen.

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„Der Fluss kennt viele Geschichten. Er kennt auch die Geschichte von der großen Brücke…“ – so fängt es an, in dem doppelseitigen, querformatigen Bilderbuch ein altes Märchen zu erzählen.

Die Farben sind kalt, an der erste Doppelseite sogar mit Lila durchfärbt, was genau auch die Fernhaltung zeigt. Die Gegenstände, die zu einem Kind bzw. zur Kindheit gehören, haben warme Farben, rot, orange. (Boot, Ball, Eimer) Auf der linken Seite steht die Mutter mit dem Kind, Hände haltend, beschützt. Oben fliegt  ein Ballon, später nähert er sich dorthin, wo der Zuhörer gerade ist.

Auf der rechten Seite des Bildes sehen wir  von Ferne die Brücke, die Windmühle, die Berge, und wie unsere Protagonisten zur Brücke kommen. Die Berge schauen so aus wie Kieselsteine, zur Kollage hat Helga Bansch unterschiedlich gemustertes, altes Papier verwendet. z. B. alte Landkarte, chinesische, arabische Schrift, karierte und flache Heftblätter. In dem Wasser schwimmt ein großer (Mutter)Fisch und ein Kleiner, es spiegelt sich das Duett von der Vorderseite.

Dann zoomen wir, sehen unsere Protagonisten klar und deutlich. Der Ballon bleibt hängen in der Windmühle. Und dann kommt die Perspektiven-Wechslung. Wir sehen von oben, wie der Bär und der Riese sich treffen. Die Krähe hat einen rot kolorierten Kopf, hinter dem Bären sind auch rote Planken. Gefahr, Spannung: deutet das Bild.

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Dann wird die Doppelseite völlig genutzt, erstmals sehen wir den Bären auf der linken Seite, weil er genau auf der Seite der Brücke steht. Er ärgert sich, und wir sehen im kleinen „Sofortbild“ ausschnitt, wie der Riese darauf reagiert. Dann genauso umgekehrt. Wir sehen an den Füßen, dass es überhaupt keinen Platz gibt keine Rückkehr oder keine Möglichkeit  weiterzugehen.

Sie schauen sich an, niemand möchte umkehren. Sie zählen die Möglichkeiten auf, sie müssen sich einigen. Jetzt ist der Text stärker, wo die Illustratorin weniger Möglichkeiten hat.

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Der Riese fand die Lösung. Er legt die Hand auf die Schulter des Bären und sagt: „Ich halte dich und du hältst mich.“ Und sie „tanzen“ in Phasenbildern. Die Gesichter sind schon ruhig, nach der ersten Berührung. Nach den Umarmung lachen sie sich sogar an. Sie verabschieden sich und machen sich wieder auf den eigenen Weg.

Das Schlussbild wiederholt das erste Bild, gleiches Flussufer, es ist schon spät, der Fischer geht nach Hause, die Boote sind vertäut, der Ballon fliegt schon in der rechten, obersten Bildecke. Und an der rechten Seite, am rechten, mythischen Ufer steht Don Quijote und Sancho Panza. Es gibt noch mehr Geschichten, die der Fluss kennt.

Und der orange Ball schwimmt weg.

Die Perspektivenänderung, die Entspannung und Aufhebung mag ich sehr gerne. Ich mag in diesem Buch besonders gerne, dass die Emotionen so gut gezeigt sind. Die Figuren geben den Kindern Möglichkeiten, Wahl: welche Rolle möchten sie in diesem Märchen einnehmen. Beide Hauptfiguren sind stark und groß. Mächtig.  Sie haben die Chance die Probleme mit Kraft und Aggression zu lösen. Aber sie tun es nicht. Sie ärgern sich, sie dürfen sich ärgern, aber sie finden dann die beste Lösung: Kooperation.

Gut ausgedachte, gut durchgesetzte Geschichte. Mit tausenden kleinen Details. Mein Lieblingsdetail ist, die Windmühle auf dem alten Landkarten-Berg.

Und ich finde es besonders gut, wie Helga Bansch mit Gliederungen spielt, wie sie mit Farben zeigt, dass die Vergangenheit mit warmen Emotionen koloriert ist. Wir gehen zurück in die Vergangenheit von links nach rechts (Leserichtung in unseren Kulturkreis), und noch auf der rechten Seite fängt die Geschichte an, weil in unsere rechte Gehirnhälfte für Kreativität und Fantasie verantwortlich ist, und wir schauen automatisch immer erst nach Rechts.

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All-Age-Literatur auf jeden Fall.

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